Businesspeople auf kenianisch
Liebe Freunde und Förderer,
wenn ich junge Frauen oder Männer in Kenia frage, was sie beruflich machen, ist die Antwort fast immer gleich: „I’m a businesswoman“ oder „I‘m a businessman“. Oft muss ich schmunzeln, weil sich die Geschäftsleute als Zeitungsboten, Blumenverkäuferinnen, Parkplatzeinweiser oder Autowäscher entpuppen. Selbst Bettler am Straßenrand in Nairobi verstehen sich als „Businesspeople“.
Wer sich in Kenia durchschlagen muss, um irgendwie den Lebensunterhalt zu verdienen, sieht sich als selbständiger Unternehmer. So einfach ist das. Und es erzählt uns etwas über das Überleben in nicht vorhandenen Sozialsystemen.
Solche Begegnungen sind mir neulich während einer Video-Konferenz mit unserem kenianischen Partner CoWA durch den Kopf gegangen. Zwar konnten wir insgesamt eine positive Bilanz unserer Arbeit ziehen und sind von der Berufsberatung, über Stipendienprogramm bis zur digitalen Arbeitsvermittlung gut aufgestellt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Businesspeople auf kenianisch
Denn manche unserer ehemaligen Stipendiaten finden trotz guter Examina und Zeugnisse keine angemessene Festanstellung, sondern nur Gelegenheitsjobs als Handlanger, und sind frustriert. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach unseren Existenzgründer-Workshops. Welche Schlüsse ziehen wir daraus?
Auch in Kenia reicht eine gute Ausbildung allein nicht aus, Zertifikate und Diplome sind keine Selbstläufer. Wir müssen unsere Absolventen deshalb intensiver und länger begleiten, bis sie sicher auf eigenen Beinen stehen. Und dazu müssen wir auch ihre Kreativität und Eigenverantwortung fördern.
Deshalb wollen wir zusätzlich zu individuellen Angeboten und WhatsApp-Gruppen monatliche Treffen aller Stipendiaten und Absolventen zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung anbieten und dabei das Thema Selbständigkeit und Existenzgründung stärker in den Blick nehmen. Es gibt Jugendliche, die sich als Kfz-Mechaniker oder Schneider selbständig machen, gemeinsam einen Friseursalon oder im Team eine Suppenküche eröffnen wollen. Das klingt im Einzelnen sehr spannend, braucht aber Betreuung, Knowhow und nicht zuletzt Startkapital.
Start Up-Kits für Existenzgründer
In Zusammenarbeit mit unseren Partnern in den Berufs-Colleges und Ausbildungswerkstätten haben wir sogenannte Start Up-Kits zusammengestellt, Muster einer Grundausrüstung an Werkzeug und Material für verschiedenen Gewerke und Branchen. Mit solchen Kits – im Wert von jeweils rund 250 Euro – wollen wir Mädchen und Jungen mit besonders guten Abschlüssen sowie vielversprechenden Absolventen unserer Existenzgründer-Workshops den Start in die Selbständigkeit erleichtern.
Wenn sich also demnächst Harriet und Merian in Nairobi als Businesswomen oder Charles und Gabriel als Businessmen vorstellen, dann stehen sie nicht bettelnd am Straßenrand, sondern können mit der Unterstützung von Apamoyo als echte Unternehmer ihren Kunden eine qualifizierte Leistung anbieten.
Um dieses Ziel zu erreichen, bitten wir Sie alle um Ihre Unterstützung, und wir werden Sie natürlich über den Verlauf und Erfolg dieses Projekts auf dem Laufenden halten.
Herzliche Grüße
Wim Dohrenbusch
Apamoyo e.V.